… Es grüßt Euch Sameerah, die Geschichtenerzählerin!…
… Über den hoch und beinahe lotrecht aufragenden Felswänden jenseits des tiefgrünen Dunkels des Belweg Sees schossen die ersten, silbernen Speerspitzen eines wunderschönen, kühlen Morgens. Adlanat legte die winzige Muschel seufzend beiseite. Gespannt harrte ich seiner Worte…
… “Ich bin ein Findelkind gewesen, Grismiol. Meine Zieheltern entdeckten mich blutüberströmt, dem Tode nahe, im Gestrüpp eines Dornbusches, als sie sich im dichten Wald auf der Jagd befanden. Sie nahmen mich mit sich, säuberten und verbanden meine Wunden, nährten und pflegten mich gesund. – Und dafür ließen sie mich lange, lange, lange Jahre bezahlen. Ich bin weniger wert gewesen als der Geringste unserer Hausknechte – die Macht, die mir das Wunder des Überlebens beschert hat, hatte es gut mit mir gemeint, Grismiol, meine Pflegefamilie zählte zu den Wohlhabendsten und Angesehensten des Herzogtums. Sagt dir der Name Von Den Leuffenden etwas?” Ich sann nach, schüttelte dann aber verneinend den Kopf. Adlanat zuckte mit den Achseln. “Nun ja, hätte mich auch gewundert. Es sind schon so sehr viele Jahre vergangen seither… – Wäre ich nicht so weltfremd und in mich gekehrt, so schüchtern und wortkarg gewesen, hätte ich mich gegen meine mich beständig hänselnden und demütigenden Brüder und Schwestern, und die Grausamkeiten der Zieheltern und der Dienerschaft wehren können. Aber so… Ich biss also die Zähne zusammen, heulte mich Abend für Abend, Jahr für Jahr in den Schlaf, und hoffte und betete auf ein weiteres Wunder, auf die Gelegenheit, der Hölle, die mir von den Menschen, die doch mein Leben gerettet hatten, bereitet wurde, entfliehen zu können… – Ich war bereits zu einem jungen Mann heran gewachsen, als unser treuer, steinalter Schafhirte starb. Zu dieser Zeit hatten die jüngste Tochter eines benachbarten Fürstenhauses, die mit einem meiner Ziehbrüder vermählt werden sollte, und ich uns unsterblich ineinander verliebt. Was der Sippschaft der Von Den Leuffenden natürlich überhaupt nicht zupass kam. So erkor man mich kurzerhand zum Herrscher über eine vielhundertköpfige Schafherde, und befahl mir, mich auf die am entferntest liegenden Almen hier in den Haltrauth-Bergen zu begeben. Es dauerte kaum ein Jahr, da berichtete mir ein Bote, mein geliebtes, wunderschönes Mädel sei bei einer mehr als schweren, tagelang andauernden Niederkunft zu Tode gekommen… – Ich kann dir nicht sagen, wie weh mir ums Herz gewesen ist, schier zerrissen fühlte es sich an! Liebesleid ist ein Schmerz, ein Siechtum, gegen das es kein Heilmittel gibt, keines. Außer vielleicht die kleinen Zauber und Wunder der uns umgebenden Natur… – Viele Jahre verstrichen. Eines Morgens erwachte ich sehr abrupt, als hätte mich jemand gestossen oder geschlagen. Ich blickte erschrocken um mich, sah niemanden, nahm aber mit allen Sinnen eine Gegenwart wahr, etwas ungemein Lebensvolles von überragender Geistesgröße, Macht und Kraft. Da war eine Gestalt, ich kann das mit Worten nicht beschreiben, ein Schemen, ein riesenhaft gewachsener menschlicher Umriss – und doch war nichts zu sehen, nichts, als wäre diese Erscheinung ein Kristallwesen, lediglich eine leichte Unschärfe innerhalb der Shilouette konnte ich ausmachen. Ich war wie zu Stein erstarrt und konnte vor Schock nicht einen Muskel rühren, so viel Furcht hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht gefühlt. Es war kein Laut zu hören, und doch vernahm ich klar und deutlich eine Stimme von einer messerscharfen, überaus eindringlichen Klarheit: ‘Deine Zeit ist gekommen, Harumeit. Deine Zeit für einen neuen Namen, ein neues Leben und für die Aufgabe, die dir vor Urzeiten anvertraut worden ist, ist nun gekommen. Du bist von jetzt an Adlanat, der Führer und Späher. Du wirst die Rebellen von Varashon an einen sicheren Ort geleiten, und dich dann auf die Suche begeben.’” – “Auf die Suche nach was?”, stieß ich atemlos hervor, von der Erzählung des wundersamen Mannes gebannt. Adlanat seufzte und schüttelte den Kopf. “Ich weiss es nicht, noch nicht. Meine Innere Stimme, oder das seltsame Wesen, werden es mir wohl verraten, wenn es an der Zeit sein sollte.” Er wog den kleinen, bestickten Lederbeutel in seiner Linken. “Als die kristallene Gestalt geendet hatte, legte sie dieses Beutelchen nieder, und wies mich an, jeden Tag eines dieser kleinen Kügelchen einzunehmen, es sei Feenstaub. Er würde mich nicht nur klar- und hellsichtig machen und mir zauberhafte Kräfte verleihen, sondern auch so etwas wie ewige Jugend und eine wahre Schönheit. Das ist nun etliche Monate her, und nie wird dieses Behältnis leer. Frage mich aber nicht, wie es neu befüllt wird, ich kann es dir nicht sagen…” Adlanat seufzte tief auf. “Wir sollten daran gehen, die Anderen aufzuwecken. Unser Vorsprung vor Halpenstein’s Häschern ist nicht allzu groß, und uns stehen noch einige schwere Etappen bevor.” Er half mir fürsorglich auf die vom langen Kauern und Sitzen starr gewordenen Beine. Bevor wir uns den schlummernden Gefährten zuwandten, lächelte er mich verschmitzt an. “Du wirst mir jetzt nicht glauben, Grismiol, aber du bist bei Weitem nicht der Älteste hier. Ich habe etliche Lenze mehr auf dem Buckel als du.”…
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… Vergessen waren die quälenden Schmerzen, die Furcht, die Übelkeit, vergessen die geheimnisvolle Stimme. Das Verdeck des Leihwagens war geöffnet, und das Licht einer bereits tief stehenden tropischen Sonne fing sich in den tiefgründigen, graugrünen Augen Tayna’s. Hendrik hielt bewundernd den Atem an und hatte Mühe, den Blick von seiner Frau abzuwenden und sich auf die Fahrt über den Higway zu konzentrieren. Es waren diese Augen gewesen, die ihn vor beinahe zwanzig Jahren so sehr gefesselt hatten, deren helle, aber doch so intensive Farbe, die Tiefe, die darin verborgen lag, als wären sie Tore zu einem unergründlichen, unfassbaren, ver- und bezaubernden Universum…
… Wird vermutlich fortgesetzt…
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Das wird nicht nur vermutlich, das wird auf alle Fälle fortgesetzt. Da kannst du uns doch jetzt nicht mittendrin hängen lassen
Sehr “schön” diese Leidensgeschichte. Ich denke, sie ist letztendlich auch ein Teil des Schlüssels, der diese Geschichte durch das Tor der Erkenntnis schicken wird.
Ich bin jetzt grad an so einer Art “Wegkreuzung”, an der ich mich entscheiden muss, in welche meiner angedachten Richtungen ich die G’schicht jetzt weiter führe.
Aber ich habe ja fünf Tage Wandeln in den Fluren des “Nobelhotels” vor mir, da werd’ ich schon was ausklamüsern.
Ich hoffe, du fällst die richtige Entscheidung.
Vielleicht kann ich ja irgendwie alle Handlungsstränge, die mir so in den Sinn kamen, verwerten…
Eine richtige Phantasy-Geschichte … Der untere Teil? War das nochmal die Rahmenhandlung? Aber ich kann ja selber in Teil 1 und 2 nachgucken.
LG, April
Das werden, wenn das alles so weiter läuft, wie ich mir das in groben Zügen bereits zurecht gelegt hab’, zwei Handlungsstränge, die sich dann irgendwann einmal höchst dramatisch miteinander verknüpfen.
Liebe Grüße!
Toll geschrieben. Mach weiter so. Bin schon gespannt wie es weiter geht. Dir ein schönes Wochenende. L.G. Ludger
Danke schön!
Dieser dritte Teil ist nicht einfach zu konstruieren und zu schreiben gewesen.
Dafür könnte ich jetzt gleich mit Teil vier weiter machen. Mal schauen. 
Ich wünsche dir auch ein schönes Wochenende!
♥liche Grüße!
Wo nimmst Du nur die Zeit und die Ideen her? Bewundernswert.
Die Ideen zu meinen Posts und Texten kommen mir sehr oft während der Arbeit. Ich bin da lange Zeit auf den Fluren eines sehr weitläufigen Hauses unterwegs, und habe deshalb viel Zeit, meine Phantasien “auszubrüten”. Wenn ich dann nach Hause komme, kann ich zumeist meine Geschichten und Gedanken direkt posten, weil da eigentlich schon fast jedes Wort sitzt.
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