Etienne Oehmichen…

… war eines der dreizehn Kinder eines Fahrrad-Mechanikers im kleinen Städtchen Châlon-sur-Marne (nahe Reims). Als fünfjähriger Bub durfte er in einem Heißluftballon mitfliegen. Dieses Abenteuer des sich scheinbar schwerelos und senkrecht in die Luft Erhebens fesselte ihn ungemein, die Vision einer vertikal aufsteigenden Flugmaschine sollte bestimmend für seinen Lebensweg werden…

… Nach dem ersten Weltkrieg befasste sich der studierte Ingenieur intensiv mit dem Bau eines Senkrechtstarters, dem Vorläufer heutiger Hubschrauber. Im Jahre 1922 gelang ihm mit seiner Konstruktion No. Zwei, ausgestattet mit insgesamt zwölf Rotoren und Propellern, der erste Flug über eine Distanz von mehr als einem Kilometer. Er gewann die ausgelobte Prämie von zehntausend Francs, die aufkeimende französische Flugzeugindustrie unterstützte seine Forschungen mit weiteren neunzigtausend Francs…

… Um die schier unüberwindbar scheinenden aerodynamischen Probleme des Vertikalfluges lösen zu können, verlegte Etienne Oehmichen sich auf das intensive Studium von geflügelten Insekten. Er entwickelte eine Spezialkamera, um die einzelnen Flugbewegungen detailliert fest halten zu können. Seine Entdeckung, dass Libellen ihre einzelnen Flügel im Schwebeflug völlig unabhängig voneinander bewegen können, führte zur Erfindung des gegenläufigen Heckrotors, er wirkt dem Kreiseln des Flugkörpers um die eigene, horizontale Achse entgegen…

… Trotz all seiner Forschungen blieben Oehmichen mit seinen der No. Zwei folgenden Projekten weitere Erfolge verwehrt. Ende der Zwanziger musste er seine Bemühungen um die Entwicklung eines Hubschraubers einstellen, hoch verschuldet geriet er in Vergessenheit…

… Bis man Ende der dreißiger Jahre auf seine eingehenden Forschungen über das Flugverhalten von Libellen und Schmetterlingen aufmerksam wurde und ihm einen Lehrstuhl am renommierten College de France in Paris anbot, den er bis in die Fünfziger inne hatte. Zwar ist Etienne Oehmichen die Erfüllung seines Lebenstraumes, einen verlässlichen und nutzbaren, senkrecht startenden Flugkörper zu schaffen, verwehrt worden. Doch dafür gilt er als Begründer der sogenannten Bio-Mechanik, einer Wissenschaft, die mittlerweile unerlässlich zur Entwicklung vor allem die Umwelt schonender Materialien und Konstruktionen geworden ist…

(Etienne Oehmichen, 15. 10. 1884 – 10. 7. 1955 – mit freundl. Genehmigung von Wikipedia)

… Oehmichen pflegte die Gefühle, welche ihn während seiner vielfältigen Beobachtungen und Forschungen bewegten, in seinen Tagebüchern in sehr anrührenden und eindringlichen Gedichten fest zu halten. Sie offenbaren einen an Geistes- und Herzenskraft ungemein reichen und vielschichtigen Menschen…

About freiedenkerin

Seit meinen Kindertagen pflege ich zu schreiben. Und zu denken. Und wegen meiner manchmal sehr sensiblen Geisteshaltung, meiner offenen, unverstellten, auch unbequemen Art anzuecken. Da es mittlerweile so gut wie unmöglich ist, ohne sich zu verbiegen im etablierten Verlagswesen einen Fuß in die Tür zu bekommen, möchte ich mich auf diesem Wege "austoben" und meiner Stimme sozusagen Gehör (Geles) zu verschaffen. Ich habe eine Menge zu sagen, laßt Euch überraschen! Ich bin Mitte der Fünfziger geboren worden, fühle mich allerdings zeitlos.
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11 Responses to Etienne Oehmichen…

  1. Wortman sagt:

    Das habe ich bei Arte oder N24 gesehen 🙂
    Mir scheint, du auch 😉

    • shelkagari sagt:

      Bei Arte. 😉 Leider ist im WWW nur sehr wenig über Oehmichen zu finden, dabei ist das eine so interessante Persönlichkeit gewesen…

      • Wortman sagt:

        Die Sendung war echt interessant.
        Das glaube ich dir, dass man da wenig findet. Ich hab den Namen bei der Sendung das erste Mal gehört.

        • shelkagari sagt:

          Ja, mir ging’s genau so. Ich wollte mir diese Dokumentation gestern dann noch einmal anschauen, das ging aber bei ARTE dann leider nicht mehr…

  2. sweetkoffie sagt:

    Oehmichen … den Namen habe ich mit der Augsburger Puppenkiste in Verbindung gebracht.

    Danke für den interessanten Post!!

    Grüßle
    SK

    • shelkagari sagt:

      Ja, ich vor der interessanten Dokumentation, die vor einigen Tagen auf ARTE zu sehen gewesen ist, eigentlich auch. Vielleicht besteht da ja ein verwandtschaftlicher Zusammenhang. 😉
      Herzliche Grüße!

    • shelkagari sagt:

      Indeed! Yes! 😀 That’s one of the great advantages of Television, it sometimes reminds one of people that shouldn’d have been forgotten…

  3. Pingback: Nachtrag zur Trauminsel « Brick Fantasy

  4. minibares sagt:

    Tja, die Kreativen Personen hatten es nicht leicht.
    Genial, was er ermittelt und erkannt hat.
    Schade, dass ihm doch die Gelder ausgingen.
    Schön, dass du an solch eine besondere Persönlichkeit erinnerst.

    • shelkagari sagt:

      Ich hätte von Etienne Oehmichen auch keine Ahnung gehabt, wenn nicht ARTE eine sehr interessante Dokumentation über ihn gesendet hätte… 😉

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