Damensauna…

… „Oh, oh! Lass‘ uns bitte wieder umdrehen und ins Nordbad fahren.“, murmelte das Wilde Weib (eines meiner schier ungezählten inneren Stimmchen), als es des Schildes „Heute Damensauna“ am Eingang meines Lieblings-Badetempels gewahr wurde. „Ach, nein – den ganzen weiten Weg wieder zurück – mach‘ bloß keinen Stress!“, zeterte Frau Nörgel-Zick (ein weiteres meiner schier ungezählten inneren Stimmchen). „Wir hassen Damensauna.“, antwortete das Wilde Weib. „Hassen ist stark übertrieben, aber ich finde schon, dass die Stimmung in einer gemischten Sauna viel lockerer und entspannter ist.“, warf ich ein, und fuhr fort: „Aber jetzt sind wir nun mal hier, und ich habe ehrlich gesagt auch keinen Bock drauf, noch einmal durch die ganze Innenstadt zu fahren. – Mädels, reisst euch am Riemen, wird schon nicht so schlimm werden.“…

… Nach einer halben Stunde Wassergymnastik und freudvollen Schwimmens entledigte ich mich meines Badeanzugs, nahm mein großes Badetuch aus der Tasche und begab mich Richtung Heissräume. Nach einigen Minuten im 45°-Raum ging die schwere, eiserne Schwingtür auf und zwei Damen mittleren Alters traten ein. Die eine hatte eine nachtdunkle Prinz-Eisenherz-Frisur, der ziemlich breite Mund war grell kirschrot geschminkt, die Augen dick mit schwarzem Kajal umrandet. Die Haarpracht der zweiten war höchst kunstvoll aufgetürmt, und machte auf mich den Eindruck, als wäre sie mit mindestens einer Dose Spray oder Lack förmlich aufs Haupt zementiert worden. „Fängt man mit Ganz-Heiss an, oder macht man das umgekehrt?“, fragte die Turmfrisur in die Runde. Von den drei Frauen, die sich in meiner Gesellschaft befunden hatten, antwortete niemand, so lächelte ich freundlich und gab Auskunft: „Man fängt hier an, und arbeitet sich dann temperaturmäßig langsam nach oben.“…

… Ich begab mich Richtung 60°-Raum. Der ist an sich so geräumig, dass eine halbe Kompanie darin Platz finden könnte, doch vier „Grazien“ hatten sich dermaßen raffiniert und lässig auf den hölzernen Bänken lang hingestreckt, dass nicht einmal mehr ein Hungerhaken zwischen ihnen hätte kauern können. Ich nickte kühl einer der „Damen“ zu: „Sie gestatten.“, worauf diese mit einem genervt klingenden Seufzer ihre Beine ein wenig anzog – aber nur ein ganz klein wenig. Zum Glück bin ich ja mittlerweile wieder ziemlich schmal gebaut, so dass ich in der engen Lücke wider Erwarten gut sitzen konnte. Beim Blick in die Runde – um mich abzuregen, denn mein manchmal recht explosives Temperament begann unheilvoll zu brodeln – fiel mir auf, dass meine Nachbarin ursprünglich ziemlich großzügig himmelblauen Lidschatten auf ihren Augendeckeln verteilt hatte. Die Tünche hatte sich allerdings nun mit munter perlendem Schweiß vermengt und in unübersehbaren Spuren den Weg Richtung Wangenknochen angetreten. Das heiterte mich insgeheim sehr auf…

… Der 85°-Raum war zunächst menschenleer. Nach einem kleinen Weilchen stießen Kirschmund und Turmfrisur zu mir. Fasziniert beobachtete ich, wie die hochdrapierte Haarpracht allmählich in sich zusammen sank und Kirschmunds pechschwarzer Kajal in den feinen Kanälen ziemlich vieler Falten zu mäandern begann. „Sieht gruselig aus, gell. Das müssen wir uns unbedingt merken, falls wir in unserem nächsten Leben Maskenbildnerin werden sollten.“, stichelte das Wilde Weib. Ich beschloß, mich abzukühlen…

… Nach einem erfrischenden Bad bis zur Oberkante Unterkiefer im eisigkalten Tauchbecken steuerte ich die kleine Sauna an, denn es war an der Zeit für den stündlichen Aufguß. Als der Bademeister mit Handtuch über der Schulter und dem Holzkübel mit dem aromatisierten Wasser in der Rechten eintrat, blaffte das weibliche Wesen zu meiner Rechten, wobei es streng auf die Uhr sah: „Sie sind zweieinhalb Minuten zu spät!“ Der Bademeister zuckte gelassen mit den Schultern, und erklärte freundlich: „Meine Damen, ich werde Ihnen jetzt einen Bergkräuter-Limetten-Aufguß zubereiten.“ – „Sind die Öle, die Sie verwenden, von Bayer?“, keifte es über meine linke Schulter hinweg. „Das kann ich Ihnen leider nicht sagen.“ – „Wenn Sie sich noch nie die Mühe gemacht haben, sich nach der Herkunft Ihrer Öle zu erkundigen, dann bleibe ich keine Sekunde länger!“ – „Ich arbeite seit sieben Jahren hier, habe inzwischen bestimmt zigtausende Aufgüße gemacht, und lebe immer noch, und das bei blendender Gesundheit.“, konterte der Bademeister unerschütterlich gut gelaunt. Die Keiferin rauschte indigniert von dannen…

… Die restliche Zeit meines Besuchs im Badetempel verlief ohne weitere, hervorzuhebende Vorkommnisse – nur eines sei noch erwähnt: Gegen Ende meines zweiten Schwitzbad-Durchgangs liefen mir Kirschmund und Turmfrisur noch einmal über den Weg, mittlerweile völlig ungeschminkt und untoupiert – und da bin ich schon ein wenig erschrocken. – Als ich wohlig entspannt und duftend in der Trambahn saß, murmelte das Wilde Weib: „Wir sollten uns das ganz groß irgendwo notieren, damit wir es ja nicht mehr vergessen: ‚ACHTUNG! DIENSTAG IST DAMENSAUNA!’“…

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About freiedenkerin

Seit meinen Kindertagen pflege ich zu schreiben. Und zu denken. Und wegen meiner manchmal sehr sensiblen Geisteshaltung, meiner offenen, unverstellten, auch unbequemen Art anzuecken. Da es mittlerweile so gut wie unmöglich ist, ohne sich zu verbiegen im etablierten Verlagswesen einen Fuß in die Tür zu bekommen, möchte ich mich auf diesem Wege "austoben" und meiner Stimme sozusagen Gehör (Geles) zu verschaffen. Ich habe eine Menge zu sagen, laßt Euch überraschen! Ich bin Mitte der Fünfziger geboren worden, fühle mich allerdings zeitlos.
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5 Responses to Damensauna…

    • Das ist die Sorte Weibsbilder, die on der Sauna nixx verloren haben. Die sollen lieber weiter zum Lachen in den Keller gehen. Die haben bestimmt noch nie im Leben durch den A… ausgeatmet, das schickt sich doch nicht!
      Nein ich hoffe, daß es Dir gelingt, an Dienstagen diesen Ort fürderhin zu meiden.
      Lieben Gruß vom ollen, grauen Wolf aus dem Pommerschen PlattLand.

  1. rose1711 sagt:

    herrlich zu lesen, danke für den Lacher am frühen Morgen😂💝

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