Wassertropfenwelt…

… Halikinets befand sich in einer glasklaren und flüssigen, kugeligen Sphäre. Es war ein winzig, winzig, winzig kleines, schwebendes Reich, umschlossen von einer äußerst dünnen und dennoch sehr stabilen Membran. Kein einziges der zierlichen Geschöpfe, die dort ihren Lebensraum, ihre Zivilisation geschaffen hatten, und die mikroskopisch kleinen Blumen glichen, hatte bislang den Versuch gemacht, diese Schutzschicht zu durchstoßen, abergläubisch, misstrauisch und ängstlich hielt man sich von ihr fern, und die Ältesten und Weisesten pflegten stets voller Inbrunst zu behaupten: „Da draußen ist nichts. Nur eine gähnende Leere, ein bodenloses Nichts.“…

… Doch der junge Helianiss, seit seinen frühen Tagen ein Phantast und Träumer, was vielen seiner Artgenossen oft sehr befremdlich vorkam, glaubte den Beteuerungen des Obersten Rates und der Hohepriester nicht. Er hatte sich schon sehr oft in einsamen Nächten verstohlen der Membran genähert und rätselhafte Schemen, Schatten, riesige Umrisse eher erfühlt als wahr genommen, Dinge, die zu gewaltig waren, als dass sein Verstand sie zu deuten wusste…

… Nach einer langen und friedvollen Periode kühlen und dunklen Grüns veränderte sich plötzlich die so sicher geglaubte Welt Halikinets, es wurde heller, grelles Licht begann in das kugelige Reich zu strömen, die Temperatur der flüssigen Atmosphäre stieg bedrohlich an, der Lebensraum wurde kleiner, immer kleiner, und vom schier greifbaren Entsetzen der winzigen Wesen erfüllt…

… Als Helianiss zu schweben begann, empor getragen von einer ungeheuren Wärme, einem kaum zu ertragenden gleißenden Schein, pochte sein Herz in Triumph und freudiger Erwartung. „Ich habe es immer gewusst! Ich habe es immer gewusst, dass da draußen nicht die Leere, das Nichts auf uns wartet, sondern etwas Überwältigendes, Unerklärliches, Wunderschönes!“…

 

… Ein kleiner Knabe kauerte am Rande eines Blumenbeetes und fragte sich still, verzaubert und völlig versunken, was für eine Welt so ein Regentropfen auf einem Blütenblatt wohl in sich bergen, und wie es in dieser wohl zugehen mochte…

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About freiedenkerin

Seit meinen Kindertagen pflege ich zu schreiben. Und zu denken. Und wegen meiner manchmal sehr sensiblen Geisteshaltung, meiner offenen, unverstellten, auch unbequemen Art anzuecken. Da es mittlerweile so gut wie unmöglich ist, ohne sich zu verbiegen im etablierten Verlagswesen einen Fuß in die Tür zu bekommen, möchte ich mich auf diesem Wege "austoben" und meiner Stimme sozusagen Gehör (Geles) zu verschaffen. Ich habe eine Menge zu sagen, laßt Euch überraschen! Ich bin Mitte der Fünfziger geboren worden, fühle mich allerdings zeitlos.
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3 Responses to Wassertropfenwelt…

  1. Hat dies auf Freidenkerins Weblog rebloggt und kommentierte:

    Mir war heute wieder mal nach dem Erzählen eines kleinen Märchens zumute. 😉

  2. monisertel sagt:

    Liebe Martha,
    ich mag solche kleinen, nachdenklichen „Märchen“ sehr gerne…..
    liebe Grüße
    moni

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