Urlaubserinnerungen – Kreta – Busfahren und die Samaria-Schlucht (1)…

… Als neulich angenehmer Besuch aus Berlin für ein paar Tage hier in meiner Bude weilte, tauschten wir auch Reisegeschichten aus. Und da sind mir ein paar Episoden meines ersten Aufenthalts auf der wunderschönen und spannenden griechischen Insel Kreta wieder einmal in den Sinn gekommen…

… Nachdem ich mich vor ziemlich genau dreißig Jahren vom turbulenten Ende einer Beziehung mit einem Manne erholt hatte, der dem Genuss alkoholischer Getränke ungemein zugeneigt gewesen war – etwas sachte umschrieben -, drängte es mich mit aller Macht für ein Weilchen in die Ferne. Ich verbrachte zwei sowohl erholsame als auch spannende Wochen in einer kleinen Pension in Amoudara nahe der kretischen Hauptstadt Heraklion namens „Taverna Sorbas“ – dank des weltberühmten einheimischen Schriftstellers Nikos Kazantzakis gibt es ungezählte gastronomische Betriebe dieses Namens auf Griechenlands größter Insel. Es dauerte nur wenige Tage, und ich hatte die schrille, laute Enklave von Hotels, Pensionen und Vergnügungspalästen insgeheim in „Klein Las Vegas“ umbenannt. Damals war ich noch jung und recht nervenstark, und von meinen tagtäglichen Streifzügen sowie ausgedehnten Abenden auf der Terrasse der Taverne stets so müde, dass mich der beinahe vierundzwanzig Stunden täglich währende Lärmpegel kaum störte…

… Als Kind der Berge und begeisterte Bergwanderin fasste ich bereits bei der Planung meines Urlaubs unter anderem eine Tour durch die weltberühmte Samaria-Schlucht ins Auge, mit stolzen siebzehn Kilometern eine der längsten Europas. Natürlich hatte ich nebst der Strand-Utensilien auch meine Bergausrüstung mitgenommen!…

… Als mich der Bus eines ansäßigen Reiseveranstalters von den taufeuchten Stufen der „Taverna Sorbas“ auflas, zeigte sich im Osten der erste Hauch eines Morgenrots. Mit schweren Augenlidern, die sich quasi noch auf Halbmast befanden – warum musste kretischer Wein auch gar so gut schmecken, und die Wirtsleute, die Gebrüder Psantadopolous, am Vorabend auch gerade zu singen und zu tanzen beginnen, wenn ich schlafen gehen wollte! -, behindert durch den schweren Rucksack und die klobigen Bergstiefel quälte ich mich nahe des Einstiegs so zügig als möglich auf einen Sitzplatz, bevor die Fahrt weiterging. Es hatte nur wenige Tage auf Kreta benötigt, um mich mit den Eigenheiten der dortigen Buslenker vertraut zu machen – sie brausten einher wie die Henker, und eine ganz besondere Spezialität schien das ruckartige, gefährlich schnelle Anfahren zu sein…

… Nur Sekunden, nachdem ich an Bord gekommen war, zeigte die Tachonadel bereits mehr als sechzig Stundenkilometer – und das in einer geschlossenen Ortschaft! Nachdem ich mich halbwegs orientiert hatte, drangen schwäbelnde Wortfetzen an mein Ohr. Ich sah mich neugierig um und meine Blicke trafen sich mit fünf zwar auch noch verschlafenen aber freundlichen Augenpaaren. Ich befand mich im fast noch leeren Bus in der Gesellschaft von vier Jungen und einem Mädel aus Ulm, die allesamt in München studierten und sich ebenfalls sehr auf die Samaria-Schlucht freuten. Das Quintett war mir auf Anhieb sympathisch…

… Nach einer guten Stunde oftmaligen abrupten Anhaltens und raketengleicher Starts hatte sich das Gefährt mit Ausflüglern gefüllt, und wir bogen in die Autobahn ein, die von Iraklion im Osten nach Rethymnon und Chania im Westen führt. Zusätzlich zu den beiden Bahnen in jede Richtung gab es auch noch eine Standspur, die von Kretern, welche sich schnellere fahrbare Untersätze leisten konnten, grundsätzlich dazu benutzt wurde, rechts zu überholen, was unser wackerer Pilot jedesmal mit einem überaus dramatischen Fanfarenklang seiner Fünftonhupe quittierte…

… Das Cockpit eines Reise- oder Linienbusses war auf der größten griechischen Insel bei weitem nicht so spartanisch und funktionell ausgestattet wie hierzulande. Da baumelten Rosenkränze und mit glitzernden falschen Steinen besetzte orthodoxe Kruzifixe an den Innenspiegeln, Heiligenbilder und die Konterfeis der Familienmitglieder zierten die Ablage, gekrönt wurde dieses Sammelsurium meist durch eine grellbunte oder verblichene Dekoration von Kränzen, Girlanden und Sträußen aus kitschigen Plastikblumen…

… Beinahe an jeder Kurve befand sich ein kleiner Altar oder Schrein oder zumindest ein Ewiges Licht in Angedenken an wohl auf den Straßen Verstorbene, und jedes dieser Mahnmale wurde mit einem Hupkonzert gewürdigt, oft musterte ich auf meinen vielen Fahrten mit den Öffentlichen beim Aussteigen den Chauffeur voller Ehrfurcht und Staunen, unglaublich, dass ein menschliches Wesen mit nur zwei Händen so gut wie zeitgleich lenken, schalten, winken, die Zigarette halten, und dazu noch beinahe ununterbrochen hupen kann! Ich habe während meiner Touren kreuz und quer über das Eiland nie einen Bus-Piloten erlebt, der nicht Kettenraucher gewesen wäre, ständig baumelte eine glimmende Zigarette zwischen den Lippen und die qualmenden Nikotinwolken wurden entweder von Anrufungen sämtlicher Heiliger, mehr oder weniger melodischem Singsang oder ausgesprochen saftigen Flüchen begleitet. Untermalt wurde dies durch dröhnende Musik aus dem Radio, je nach Alter des rasanten Fahrers war es entweder griechische Folklore oder blechernes Pop-Gedudel…

… Wird demnächst fortgesetzt… 😉

About freiedenkerin

Seit meinen Kindertagen pflege ich zu schreiben. Und zu denken. Und wegen meiner manchmal sehr sensiblen Geisteshaltung, meiner offenen, unverstellten, auch unbequemen Art anzuecken. Da es mittlerweile so gut wie unmöglich ist, ohne sich zu verbiegen im etablierten Verlagswesen einen Fuß in die Tür zu bekommen, möchte ich mich auf diesem Wege "austoben" und meiner Stimme sozusagen Gehör (Geles) zu verschaffen. Ich habe eine Menge zu sagen, laßt Euch überraschen! Ich bin Mitte der Fünfziger geboren worden, fühle mich allerdings zeitlos.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Aus aller Welt, Dies und das, Erzählungen, Fotografie, Gedanken, Menschen, Sonstiges abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Responses to Urlaubserinnerungen – Kreta – Busfahren und die Samaria-Schlucht (1)…

  1. Hat dies auf Freidenkerins Weblog rebloggt und kommentierte:

    An meinen ersten Urlaub auf Kreta denke ich immer noch ganz besonders gerne zurück…

  2. Resa sagt:

    So, you have 2 blogs?

Kommentare sind geschlossen.