Freidenkerins Archiv – 2009…

Haus am Berg…  04. 01. 2009

Seitdem ich denken kann, ist diese wunderschöne „Zuckerbäckervilla“ oberhalb des Ortskerns von Berchtesgaden mein absolutes Traumhaus…

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… Im Alter von ungefähr sechs Jahren durfte ich mit meinem Papa zum ersten Mal aus dem kleinen, verschlafenen, unzugänglichen Bergdorf, in dem wir frühers lebten, mit dem Autobus hinab fahren in die Kleinstadt. Es war ein Erlebnis sondergleichen, ein Abenteuer, wenn auch der Anlass eigentlich ein wenig Schöner war: Meine allererste Untersuchung beim Zahnarzt. Der ansonsten als Grobian bekannte, schmächtige Mann hob mich scherzend in den großen Behandlungsstuhl, hieß mich, den Mund weeiiit auf zu machen, kam dann mit seinem großen, runden Kopf ganz nah heran und fuhrwerkte mit gar seltsam aussehenden Instrumenten zwischen meinen ohnehin sehr wackeligen Milchzähnen herum. Ich konnte Papa zwar nicht sehen, aber ich wußte, daß er da hinten, etwas abseits, im Raum stand, er unterhielt sich mit dem Doktor, und allein seine Anwesenheit zu fühlen und der Klang seiner frischen, hellen, und doch so ruhigen Stimme nahm mir viel von meiner Befangenheit.

Anschließend unternahmen wir einen ausgedehnten Bummel durch das Städtchen – und da sah ich diese Villa zum allerersten Mal. Abenteuerlich anmutend einen steilen Felsabfall krönend schwebte – und schwebt gottlob auch heutzutage noch – sie schier über den eher geduckten, etwas bäuerlich anmutenden, brav gegiebelten Bürgerhäusern. Ich legte meinen Kopf in den Nacken und starrte atemlos hinauf und staunte ehrfurchtsvoll und andächtig…

An dieser Ehrfurcht und Andacht hat sich bis zum heutigen Tage nichts geändert. Noch immer ist diese Villa für mich das Bauwerk schlechthin – und ich habe im Verlauf meines etwas unruhigen Lebens etliche Prachtbauten erblicken dürfen. Leider ist auf der Aufnahme, die unter einigem Zeitdruck entstand, die Vogelnestposition des Gebäudes an der Kante des Felssturzes nicht so richtig auszumachen. Bei der nächsten Stippvisite zuhause werde ich ein besseres Bild machen, das habe ich mir fest vorgenommen.

Es zieht mich stets etwas zu dieser Villa hin, wenn ich in der Heimat weile. Eine gemeinsame Vorgeschichte vielleicht, die in einem früheren Leben sich ereignet hatte? Ich kann keinen Rundgang durch den Markt Berchtesgaden machen, ohne ihrem Zauber zu verfallen. Ich bin auch schon unzählige Male den stufigen Pfad bis zur Eingangspforte des kleinen, vorgelagerten Parks hinan geschritten. Von dieser Perspektive aus ahnt man nichts von der waghalsigen, anmutigen Grandezza, man könnte eher vermuten, einen langweilig schlichten, einstöckigen Bungalow vor sich zu haben.

Schon mehrmals habe ich versucht, Erkundigungen über mein Traumhaus einzuziehen, doch die Kenntnisse darüber sind nach wie vor eher spärlich. Ich weiß mittlerweile, daß ein Salzburger Musikdirektor so etwa in den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts dieses Kleinod hatte errichten lassen. Ich kann mir gut vorstellen, daß der kühne Bau in Berchtesgaden lange Zeit für Unruhe und Aufsehen gesorgt haben mag. Er ist in seiner Art im wahrsten Sinne des Wortes herausragend.

Dieses Anwesen würde auf der Stelle erwerben, sollte mich das viel zitierte Glück eines Lottosechsers einmal treffen! Mein erlesenes Heim würde jedem Menschen offenstehen, der guten Willens ist. Ich würde Hausmusik veranstalten, Dichterlesungen, auf dem Flachdach würde ich Sonnenkollektoren anbringen lassen – und ein Spiegelteleskop zur Betrachtung der Sterne. Auf dem über dem Städtchen schwebenden Balkon würde ich klassische Nachmittagstees zelebrieren und Grillabende im Sommer, oder ich würde anmutig auf eine Chaiselongue hingestreckt träumend den Reigen der hohen Berggipfel ringsum genießen. Im seitlich angebrachten Wintergarten würden sich bunt schillernde Orchideen der Morgensonne entgegen recken und ein Klangbrunnen seine harmonischen Töne rieseln lassen. Eine Katzenfamilie gäbe es hier, und im kleinen Park würden Kinder lachen, toben und spielen…

Jahresrückblick 2008…

Na, da konnte ich doch mal wieder nicht widerstehen! So hab ich nun dieses Stöckchen unter anderem auch bei N!RAk aufgegriffen und eine Weile darauf herum gekaut.

1. Vorherrschendes Gefühl für 2009?  Wissbegierde, Neugier, Vorfreude, Tatendrang, Abenteuerlust

2. 2008 zum ersten Mal getan?  Bloggen! Juhuuu! Ich liiiieeebe es!

3. 2008 nach langer Zeit wieder getan?  Im Sommer auf meinem Balkon lümmelnd Wodka-Lemon geschlürft (in wilden Zeiten mein ausgiebigst konsumierter, absoluter Lieblings-Drink)

4. 2008 leider nicht getan?  Mir meinen Traum von einer Florenz- und Toskana-Reise erfüllt

5. Der hirnrissigste Plan?  Trotz eines Schuldenbergs im Herbst eine zweiwöchige China-Rundreise ins Auge fassen (Gottlob siegte mein Quentchen Vernunft!)

6. Die gefährlichste Unternehmung?  Nach der Weihnachtsfeier meine gut angeheiterten Arbeitskollegen nach Hause chauffieren

7. Die teuerste Anschaffung?  Meine neue Digi-Kam

8. (Un)wort des Jahres?  Weltverschwörung

9. Zugenommen oder abgenommen?  Aber hallo! Zugenommen! Seitdem ich im Wechsel bin, brauche ich Essen nur anzugucken, um zuzulegen! Ich geh aus’m Leim wie ein Hefekloß!

10. Stadt des Jahres?  Seit Jahren dieselben: Rom und Florenz

11. Alkoholexzesse?  Keine. Bin offensichtlich doch eine Spur klüger oder reifer geworden. Konnte stets gradaus gehen und war immer im Besitz meiner Muttersprache

12. Davon gekotzt?  Davon nicht. Auch die äusserst heftigen Migräne-Attacken mit wüsten Brechanfällen gingen 2008 erfreulicherweise deutlich zurück

13. Haare länger oder kürzer?  Eine ganze Ecke kürzer

14. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?  Ich befürchte, daß sich zu meiner ordentlichen Portion Kurzsichtigkeit nun auch verstohlen schleichend die Altersweitsichtigkeit gesellt

15. Mehr Kohle oder weniger?  Nicht mehr Kohle, aber dafür eine ganze Portion Schulden weniger

16. Mehr ausgegeben oder weniger?  Deutlich weniger

17. Mehr bewegt oder weniger?  Jammer! Leider, leider weniger, ich hab vor allem im zweiten Halbjahr eine Neigung zum Couchpotatoe entwickelt, die ich 2009 gerne rückgängig machen möchte

18. Höchste Handyrechnung?  Müßte ich nachschauen, weiß ich nicht

19. Krankenhausbesuche?  Viele, bei meinem Vater, der bis zu seinem Tode am 1. Oktober vier Monate im Krankenhaus verbrachte

20. Verliebt?  War ich in der Vorweihnachtszeit *seufz!* Wie’s jetzt steht, kann ich nicht so genau sagen. Aber ein bißchen verliebt bin ich eigentlich immer

21. Getränk des Jahres?  Ein 2007er „Kanoonga Hill“, Shiraz, ein australischer Rotwein – und der heiße Rumtopf-Punsch vom Tollwood-Festival! Wow! Ein Beschleuniger ersten Ranges!

22. Das leckerste Essen?  Selbstgekochtes asiatisches Pfannengericht (mangels Wok), mit viiieeel Schärfe und Kokosmilch und einem Berg Basmati-Reis

23. Most called Person?  Bis zu seinem Tode mein Vater

24. Die schönste Zeit verbracht mit?  Meinem guten Freund Thomas, den lieben fünf  Steirischen Schwestern (Wirtsfrauen) unseres Stammlokals, mit meinen neu- und liebgewonnenen Blogger-Freunden, meiner Miezekatze Smokey

25. Die meiste Zeit verbracht mit?  Dem manchmal unerträglichen, unausstehlichen und dennoch umwerfend liebenswertem Haufen von Arbeitskollegen/innen und Chefleuten vom „Brückenwirt“ und meiner Miezekatze Smokey – und meinen Blogger-Freunden

26. Song des Jahres?  „Haus am See“!

27. CD (Album) des Jahres?  Die von Peter Fox („Haus am See“)

28. Blockbuster des Jahres?  Die Serie „Denker des Abendlandes“ auf BR-alpha. Der Astrophysiker Prof. Michael Lesch und der Philosoph Prof. Willhelm Vossenkuhl lümmeln, von antiken Statuen umgeben, völligst lässig auf einer bequemen Couch, schlürfen auserlesenen Rotwein und unterhalten sich über die abendländische Philosophie, schnörkellos, humorvoll, ohne lästige Schachtelsätze oder Fremdwörter-Gewirr, so, daß auch die kompliziertesten Gedankengänge von Jedermann verstanden werden können.

29. Buch des Jahres?  Mary O’Hara’s Autobiographie „Flicka’s Friend“, ein äußerst mitreißender und bewegender Einblick in das Leben einer umwerfend faszinierenden Frau

30. Konzert des Jahres?  Hm! Fällt mir keines ein

31. TV-Serie des Jahres?  Bitte, nicht ganz ernst nehmen: „Reich und Schön“! Nach einer Spätschicht vormittags entspannt beim „Frühstück“ sitzen und bei der Mutter aller Soap-Operas herrlich ablachen können, ist eines meiner Rezepte für einen guten Tag

32. Erkenntnis des Jahres?  Ich hätte nie gedacht, daß so viele Fähigkeiten in mir schlummern. Daß ich jemals ein gesundes Selbstbewußtsein entwickeln würde. Daß ich mit meinem jahrzehntelangen Instinkt, was meine Gabe des Schreibens betrifft, stets recht gehabt habe.

33. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?   Der Tod meines Vaters, das letzte Weihnachtsfest, die rücksichtslosen Endlos-Monologe einiger Familienmitglieder

34. Nachbar des Jahres?  Die junge Frau unter mir, die sich tatkräftig dafür einsetzt, daß wir im kommenden Frühjahr endlich einen richtigen Stellplatz für unsere Fahrräder bekommen

35. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?  Meinem guten Freund J… beizubringen, daß im WWW nicht ausschließlich böse Buben unterwegs sind, daß das Internet eine großartige Werbefläche für die Werke seines eigenen kleinen Verlages darstellen könnte, wenn er es geschickt und vorurteilslos nutzen würde. Leider hatte ich bis dato keinen Erfolg

36. Das schönste Geschenk, das ich jemanden gemacht habe?  Meiner Mutter nach Papa’s Tod unaufdringlich Trost und Hilfe zu geben

37. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?  Ein Arbeitskollege drückte mir vor den Feiertagen seinen Autoschlüssel mit den Worten „Mach‘ mit der Kiste, was du willst“ in die Hand. Das hat mir ca. 200 Euro für einen Leihwagen erspart. Und, was noch mehr zählt: Seine Großzügigkeit und sein Vertrauen haben mir ungemein wohl getan

38. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?  Meine Therapeutin: „Frau I., wir haben im neuen Jahr noch zwei Sitzungen, dann dürfen wir Ihre Behandlung sehr erfolgreich abschließen.“

39. Die größte Enttäuschung?  Das Verhalten meines Bruders und meiner Mutter während der Weihnachtsfeiertage

40. Die Erkenntnis des Jahres?  Keine Erwartungen hegen, das Leben so schultern, wie’s gerade kommt, jeglichen Druck auf sich selbst tunlichst vermeiden

41.  Beste Idee/Entscheidung des Jahres?  Einen Blog bei WordPress ins Leben rufen

42. Schönstes Ereignis?  Es gibt Unzählige!

43. 2008 war mit einem Wort?  Eine Reifeprüfung

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